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Die ADFC-Radreiseanalyse 2024

Die wichtigsten Learnings und ein Gespräch mit ADFC-Vorstand Christian Tänzler

05.06.2024

Die ADFC-Radreiseanalyse gibt seit 1999 Auskunft über das Verhalten von Radfahrenden im Urlaub. Für 2024 wurde die Studie einem Relaunch unterzogen und den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Wir haben uns mit ADFC-Bundesvorstand Tourismus Christian Tänzler zum Kurzgespräch getroffen und die zehn relevantesten Learnings aus der Studie zusammengefasst.

Die 10 wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

1. Peak-Radtourismus: Wir können wie in vielen anderen Bereichen einen Peak im Jahr 2019 ausmachen. Eine Million weniger klassische Radreisen mit über drei Übernachtungen konnten im Jahr 2023 ausgemacht werden. Dafür stieg die Zahl Tagesausflüge deutlich an. Die Prognose zeigt damit insgesamt nach oben.

2. Radfahren ein Thema für viele im Urlaub: Der Anteil derjenigen, die das Radfahren als ein Thema unter anderen im Urlaub ist hoch. Der multimodale Gast lässt sich hier klar benennen – das hat Auswirkungen auf die Angebotsentwicklung und auch die Kommunikation. Die potentiellen Gäste benötigen ein breites Bündel an Erlebnissen, um sich bedürfnisgerecht abgeholt zu fühlen.

3. Radreisende sind ein signifikanter Wirtschaftsfaktor: Zwischen 22 und 25 Milliarden Euro gaben Tagesausflügler und Urlauber demnach 2023 aus.

4. Die Motive das Rad im Urlaub nicht zu nutzen sind vielfältig: Sie reichen vom Kraftakt, den das Radfahren bedeutet bis hin zur mangelhaften Infrastruktur bei An- und Abreise. Die Abdeckung des öffentlichen Personennahverkehrs und seine Sicherheit können hier maßgeblichen Einfluss nehmen.

5. Das eBike wird weiter beflügeln: Das eBike wird die mangelnde Kraft und die damit einhergehende Unsicherheit weiter verringern, sie macht aber auch hügeligeres Gelände zugänglicher.

6. Die Flussradwege sind weiterhin Trumpf: Das Versprechen von flachen Touren, die Flussradwege bieten überzeugt. Neun der zehn meistbefahrenen Radrouten in Deutschland sind Flussradwege. Andere Regionen haben hier noch deutlich Luft nach oben.

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7. Viel Potenzial im Osten und in der Mitte: Die meistbesuchten Radreiseregionen fädeln sich wie an einer Kette an den Grenzgebieten Deutschlands auf. Gerade Ostdeutschland liegt bis auf Mecklenburg-Vorpommern brach. Aber auch Bayern und Baden-Württemberg, die aktivtouristisch sonst äußerst verwöhnt sind können jeweils „nur“ mit einer Region im Ranking aufwarten.

8. Gerade bei Kurz-Radreisen weisen die Metropolen großes Potenzial auf: Diese werden meist in Wohnortnähe durchgeführt, doch tauchen relevante Metropolregionen im Ranking erst weit hinten auf. Eine engere Zusammenarbeit von Metropole und Umland wird hier nötig sein.

9. Gravelbike im Aufwind: Das Gravelbike macht bereits satte 10 % der genutzten Radkategorien im Urlaub aus. Damit liegt es zwar noch hinter Mountainbike und Cityrad, holt aber immer weiter auf. Es wird spannend zu sehen sein, welche weiteren Kategorien hier in Zukunft auftauchen und welche zu Lasten des Gravelbikes verlieren werden.

10. Radreisende werden digitaler: Die Nutzung von Plattformen steigt auch bei Radreisenden. Angefangen von Buchungsplattformen bis hin zur Tourenplanung. Erstmals sind Apps und Wegweisung vor Ort in der Präferenz nahezu gleichauf. Der große Sieger bleibt dabei Google Maps, lediglich bei den Radreisenden ab drei Übernachtungen kann komoot seinen zweiten Platz in Richtung Treppchen verlassen. In den meisten Bereichen liegt komoot allerdings nur knapp hinter Google Maps – Platz drei und weitere liegen im Vergleich weit abgeschlagen

Im Gespräch mit Christian Tänzler, im ADFC-Vorstand zuständig für das Thema Tourismus.

Was ist für dich - gerade im Vergleich mit den Vorjahren - besonders bemerkenswert an den Zahlen?

Die ADFC-Radreiseanalyse liefert nach dem Relaunch jetzt einen besonders umfassenden Blick auf den Radtourismus. Neben den klassischen Radreisen und Tagesausflügen erfasst sie erstmals auch das Radfahren im Urlaub, wenn das Radfahren nicht Hauptmotiv der Reise ist. Dieses Segment ist bemerkenswert groß: In den vergangenen drei Jahren sind 29 Millionen Menschen im Urlaub Rad gefahren, allein 2023 waren es 10,6 Millionen. Auch die Gesamtbilanz ist beeindruckend: Im Jahr 2023 haben 37,4 Millionen Menschen in Deutschland das Rad im Urlaub und für Ausflüge genutzt. Das ist mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland. Die Zahl der Radreisen ging gegenüber 2022 zwar zurück, dafür stieg die Zahl der Tagesausflüge deutlich. 

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Welche Gründe gibt es für Menschen eben gerade keinen Urlaub mit dem Rad zu machen? Wie könnten wir hierauf positiv einwirken?

Ein Drittel derjenigen, die in den letzten drei Jahren keine Radreise unternommen haben, gaben an, dass eine Radreise ihnen zu anstrengend sei. Dieser Wert wird mit zunehmender Verbreitung von Elektrofahrrädern in Zukunft wahrscheinlich sinken. Außerdem lassen sich die Etappen von Radreisen natürlich flexibel gestalten und in ihrer Länge und Anstrengung den individuellen Bedürfnissen anpassen. Gerade entlang der gut erschlossenen ADFC-Qualitätsradrouten gibt es zahlreiche Bett+Bike-Unterkünfte – niemand muss 60 Kilometer und mehr am Tag fahren. Übrigens: Auf der anderen Seite ist gerade das Aktivsein im Urlaub einer der wichtigsten Beweggründe für Radreisende. 

Für jeweils rund 30 Prozent der Befragten waren das Fehlen von Ausrüstung oder Begleitung der Grund gegen eine Radreise. Für die passende Ausrüstung gibt es den Fachhandel, für die Suche nach einer Reisebegleitung hat der ADFC die Mitradelzentrale ins Leben gerufen: https://www.adfc-radtourismus.de/mitradelzentrale/

Rund ein Viertel der Nicht-Radreisenden haben sich aufgrund von schwierigen An- und Abreisebedingungen gegen eine Radreise entschieden. Damit sich das ändert, brauchen wir sowohl in Regional- als auch in Fernzügen mehr Kapazitäten für die Fahrradmitnahme. Darüber hinaus müssen Bahnhöfe barriereärmer und fahrradfreundlicher werden. 

Die positive Botschaft ist: rund 55 Prozent der Nichtradreisenden aus den letzten 3 Jahren können sich grundsätzlich vorstellen, in Zukunft eine Radreise zu unternehmen.

Welche Gründe gibt es für Menschen eben gerade keinen Urlaub mit dem Rad zu machen? Wie könnten wir hierauf positiv einwirken?

Ein Drittel derjenigen, die in den letzten drei Jahren keine Radreise unternommen haben, gaben an, dass eine Radreise ihnen zu anstrengend sei. Dieser Wert wird mit zunehmender Verbreitung von Elektrofahrrädern in Zukunft wahrscheinlich sinken. Außerdem lassen sich die Etappen von Radreisen natürlich flexibel gestalten und in ihrer Länge und Anstrengung den individuellen Bedürfnissen anpassen. Gerade entlang der gut erschlossenen ADFC-Qualitätsradrouten gibt es zahlreiche Bett+Bike-Unterkünfte – niemand muss 60 Kilometer und mehr am Tag fahren. Übrigens: Auf der anderen Seite ist gerade das Aktivsein im Urlaub einer der wichtigsten Beweggründe für Radreisende. 

Für jeweils rund 30 Prozent der Befragten waren das Fehlen von Ausrüstung oder Begleitung der Grund gegen eine Radreise. Für die passende Ausrüstung gibt es den Fachhandel, für die Suche nach einer Reisebegleitung hat der ADFC die Mitradelzentrale ins Leben gerufen: https://www.adfc-radtourismus.de/mitradelzentrale/

Rund ein Viertel der Nicht-Radreisenden haben sich aufgrund von schwierigen An- und Abreisebedingungen gegen eine Radreise entschieden. Damit sich das ändert, brauchen wir sowohl in Regional- als auch in Fernzügen mehr Kapazitäten für die Fahrradmitnahme. Darüber hinaus müssen Bahnhöfe barriereärmer und fahrradfreundlicher werden. 

Die positive Botschaft ist: rund 55 Prozent der Nichtradreisenden aus den letzten 3 Jahren können sich grundsätzlich vorstellen, in Zukunft eine Radreise zu unternehmen.

Könntest du die Ausgaben eines Radurlaubers bitte mal in einen Kontext zum Urlaubsdurchschnitt stellen?

Die ADFC-Radreiseanalyse liefert erstmals auch detaillierte Zahlen zu den Ausgaben der Radreisenden. Kurzreisende gaben 130 Euro pro Tag aus, die geschätzten Gesamtausgaben für dieses Segment liegen für 2023 bei 2-3 Milliarden Euro. Radreisende mit mindestens drei Übernachtungen hatten Durchschnittskosten von 117 Euro pro Tag und damit geschätzte Gesamtausgaben von 6-7 Milliarden Euro. Bei den Tagesausflügen ist der pro-Kopf-Betrag mit rund 32 Euro niedriger, weil etwa die Übernachtungskosten wegfallen. Die Gesamtausgaben für 2023 liegen hier bei etwa 14-15 Milliarden Euro. Menschen, die im Urlaub Rad gefahren sind, gaben im Schnitt rund 123 Euro pro Person und Tag aus.

Im Vergleich dazu: die Reiseanalyse der FUR (Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen) gibt die durchschnittlichen Reiseausgaben für Urlaubsreisen ab 5 Tagen Dauer mit 110 € pro Person und Tag an. Aufgrund des unterschiedlichen Forschungsdesigns der Studien können wir die Zahlen nicht 1:1 miteinander vergleichen (u.a. weil wir auch Kurzreisen erfassen). Tendenziell geben Radreisende aber mehr pro Person und Tag aus als der Durchschnitt der Reisenden. 

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